27. November 2014, 11:03 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Diese Meldung ist vom 27. November 2014, 11:03 Uhr. Gegebenenfalls sind einzelne Inhalte oder der gesamte Artikel nicht mehr aktuell. Für aktuelle Meldungen der Stadt Gelsenkirchen klicken Sie bitte auf https://www.gelsenkirchen.de/aktuelles
GE. Gelsenkirchen unterstützt am 30. November erneut die Aktion „Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe“. Die Anregung zu dieser Aktion kommt von Pfarrer Matthias Leineweber von der katholischen Gemeinschaft Sant´Egidio.
Seit Beginn der Kampagne wurden in den vergangenen 13 Jahren in 98 Ländern Tausende Aktionen durchgeführt, die den Einsatz für eine Welt ohne Todesstrafe und für ein Rechtssystem bekunden, das in allen Phasen und unter allen Umständen das Leben achtet. Der internationale Tag „Cities for Life” verfolgt das Ziel, einen Dialog zwischen Zivilgesellschaft und lokalen Verwaltungen herzustellen und die Bürger im Einsatz für eine gewaltfreie Welt zu bestärken. Es sind 1650 Städte, davon 70 Hauptstädte, die sich der Aktion in diesen Jahren angeschlossen haben.
In Gelsenkirchen wird an diesem Tag die Beleuchtung des Rathausturms in Buer symbolisch dem Kampf gegen die Todessstrafe gewidmet. Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, wird wie schon in den Vorjahren die markante blaue Beleuchtung für diese Aktion durch eine grüne Beleuchtung ersetzt. Oberbürgermeister Frank Baranowski hatte sich 2006 grundsätzlich für eine Beteiligung Gelsenkirchens an der Gemeinschaft „Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe“ ausgesprochen. Der Rat der Stadt folgte seinem Vorschlag und beschloss am 14. Dezember 2006, der Kampagne gegen die Todesstrafe beizutreten.
In Deutschland unterstützen 155 Städte die Kampagne und setzen Zeichen: Berlin beleuchtet den Rathausturm, Stuttgart organisiert Events jeweils in einem anderen Stadtviertel, Würzburg strahlt die Festung an, Leipzig läutet zu jeder vollen Stunde die Glocke im Carl-Goerdeler-Denkmal, Hamburg beleuchtet das Rathaus, viele andere kleinere und größere Städte organisierten kulturelle Veranstaltungen zu diesem Thema, um die Bevölkerung für diese Frage zu sensibilisieren. Diese Signale sind auch in einem Land von Bedeutung, das schon lange die Todesstrafe abgeschafft hat, gerade in einer Welt, die in den vergangenen Jahren von zunehmender Gewalt geprägt ist mit teilweise brutaler Grausamkeit, wie die öffentlich zur Schau gestellten Hinrichtungen.
Im Dezember 2007 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum ersten Mal in der Geschichte mit großer Mehrheit eine Resolution für ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet, über die im kommenden Dezember erneut abgestimmt wird. Auch im Hinblick darauf möchte der Aktionstag ein Zeichen für eine Justiz setzen, die das Leben schützt und in verschiedensten Sprachen sagt: „No Justice without Life“.
Im Oktober dieses Jahres fanden in dieser Hinsicht zwei wichtige Tagungen in Asien statt, dem Kontinent mit den meisten Hinrichtungen. Im Parlament von Japan, das die Todesstrafe beibehält, und in Zusammenarbeit mit dem Justizministerium auf den Philippinen diskutierten auf Einladung von Sant’Egidio Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und staatlichen Behörden über Möglichkeiten, diese Kampagne in Asien weiter zu verbreiten und die Kräfte zu unterstützen, die sich für eine Abschaffung der Todesstrafe einsetzen. Mittlerweile haben 140 Staaten der Erde die Todesstrafe ganz abgeschafft oder wenden sie in der Praxis nicht mehr an, nur eine Minderheit übt diese Praxis noch aus. 2013 wurden nach vorliegenden Erkenntnissen in 40 Staaten Todesurteile verhängt und in 22 Staaten Hinrichtungen durchgeführt. Seit Beginn des Einsatzes der Gemeinschaft Sant’Egidio gegen die Todesstrafe im Jahr 1998 hat sich das Zahlenverhältnis zwischen den Ländern mit und ohne Todesstrafe umgekehrt. Auf globaler Ebene erscheint die Tendenz zur Abschaffung der Todesstrafe mittlerweile unumkehrbar. Trotzdem ist weiterhin Aufmerksamkeit geboten, wie Diskussionen in manchen Ländern über eine Wiedereinführung der Todesstrafe zeigen. Zudem rang am 29. April 2014 der 38jährige Clayton Lockett in Oklahoma City/USA fast eine Stunde lang qualvoll mit dem Tod, bevor er an einem Herzinfarkt starb und Hilfsmaßnahmen zu spät kamen. Der nicht getestete Giftcocktail hatte zu verschiedenen Komplikationen geführt. Das stimmt nachdenklich und führt die Bedenklichkeit dieser Strafe drastisch vor Augen.
Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist eine christliche Laienbewegung mit über 60.000 Mitgliedern in 74 Ländern der Welt, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. Sie engagiert sich unter Beteiligung zahlreicher Organisationen in der World Coalition against the Death Penalty im Kampf gegen die Todesstrafe und hat die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben“ gegründet. Der 30. November wurde für den Aktionstag gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte. Für die 1998 initiierte Unterschriftenkampagne für ein Moratorium der Todesstrafe hat die Gemeinschaft Sant’Egidio bisher ca. 5,6 Millionen Unterschriften gesammelt. Außerdem pflegen Mitglieder von Sant’Egidio weltweit Hunderte von persönlichen Brieffreundschaften mit Todeskandidaten und unterstützen viele im persönlichen Einsatz.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://nodeathpenalty.santegidio.org/en.aspx