18. Februar 2016, 12:00 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Rede von Oberbürgermeister
Frank Baranowski
- Es gilt das gesprochene Wort –
GE. Ein ganz herzliches Willkommen Ihnen und Euch allen hier in Erle im Erich-Kästner-Haus! Ich freue mich, so viele junge Menschen und so viele rote Hände zu sehen – beim inzwischen dritten Mal, dass wir uns in unserer Stadt an den Veranstaltungen des internationalen Red Hand Day beteiligen! Und wenn ich mich umschaue, dann bekomme ich den Eindruck, dass unser Gelsenkirchener Beitrag tatsächlich in diesen drei Jahren stets ein bisschen größer und auch sichtbarer wird. Dass er von immer mehr Leuten wahrgenommen und mitgetragen wird – und das freut mich!
Das freut mich, weil dieses Thema – natürlich – ein wichtiges ist. Weil es eines ist, das einen als denkenden und fühlenden Menschen nicht kalt lassen kann. Keiner von uns will, dass Kinder und Jugendliche in den Krieg ziehen. Dass sie im Krieg leben, mit Waffen hantieren und womöglich sogar noch auf andere zielen müssen. Nicht mal die verstockteste und unsympathischste Person kann sich das wünschen!
Aber selbst wenn wir uns darüber einig sind, so müssen wir doch zugeben: So einfach werden wir nicht damit fertig. „Keine Waffen in Kinderhände!“: Ja, dieser Forderung des Red-Hand-Day stimmen wir spontan zu – aber dieser Satz verlangt vielleicht noch etwas mehr als ein „Like“ bei Facebook. Er kann und soll einen ins Nachdenken bringen. In der Tat ist der Red Hand Day eine Aufforderung, sich mit dem auseinanderzusetzen, was in unserer Welt noch geschieht, oft für uns unsichtbar – teilweise in fernen Ländern, im Kongo, in Uganda oder auf den Philippinen. Und was trotzdem oft genug einen echten Bezug zu uns und unserer Stadt hat.
Das ist ja gerade im vergangenen und diesen Jahr besonders deutlich geworden, weil Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan nach Deutschland und auch nach Gelsenkirchen gekommen sind – aus Ländern also, wo Krieg und bewaffnete Konflikte toben. Oder aus Eritrea, wo ein von der Welt abgeschottetes Regime alle jungen Männer in die Armee wie in ein Gefängnis sperrt. In der Tat ist das einer der wichtigsten Gründe, warum derzeit so viele Flüchtlinge kommen: Weil sie davor fliehen, dass sie in eine Armee oder eine Miliz eingezogen werden, in der sie nicht kämpfen wollen, in der sie sich schuldig an furchtbaren Verbrechen machen würden, in der sie als Kanonenfutter missbraucht würden.
Viele junge Leute müssen sich entscheiden – oder haben sich entscheiden – ob sie bei einem fatalen Krieg mitmachen, oder ob sie einen anderen, ebenfalls schwierigen Weg wählen. Und viele von ihnen sind in ihrer Verzweiflung zu uns gekommen, nach einer dramatischen und strapaziösen Reise – und sind nun in Buer oder Erle in einer provisorischen Flüchtlingsunterkunft angekommen. Und es sind auch Kinder und Jugendliche zu uns gekommen, insgesamt haben wir in Gelsenkirchen über 190 unbegleitete Kinder und Jugendliche aufgenommen.
Der Red Hand Day lenkt noch einmal den Blick auf solche Geschichten. Und er erinnert uns an zwei Dinge: Erstens, dass nicht alles, was in fernen Ländern geschieht, wirklich fern ist – es hat auch etwas mit uns zu tun. Und zweitens, dass es durchaus darauf ankommt, wie wir uns verhalten. Ob wir zum Beispiel in Fragen von Kinderrechten Position beziehen und uns für die Einhaltung dieser Rechte überall auf der Welt einsetzen. Und ob wir hier bei uns das Richtige tun. Ob wir versuchen, den Flüchtlingen in unserer Stadt zu helfen und darüber hinaus auch ein Interesse an ihrem Leben, ihren Geschichten haben.
An all das, was wir selbst tun können, erinnert uns der Red Hand Day. Und darum finde ich es richtig gut, heute so viele rote Hände zu sehen – und dass es hier im Erich-Kästner-Haus in den nächsten eineinhalb Stunden ein Programm gibt, dass sich mit diesem wichtigen Thema beschäftigt. Und damit soll es jetzt auch gleich losgehen, und darum bleibt mir nur noch, Ihnen und Euch einen spannenden und erkenntnisreichen Red Hand Day zu wünschen!
Glück auf!