09. November 2015, 11:08 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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Rede von Oberbürgermeister
Frank Baranowski
- Es gilt das gesprochene Wort –
GE. Ihnen allen ein ganz herzliches Willkommen hier in Gelsenkirchen, im Hans-Sachs-Haus! Viele von Ihnen waren ja schon mindestens einmal zu einer Besprechung im Rahmen von „Kein Kind zurücklassen!“ hier, ich kann Sie also an einem vertrauten und zentralen Ort unseres gemeinsamen Projektes begrüßen. Und ich kann Sie in einer Kommune begrüßen, in dem die Aufforderung „Kein Kind zurücklassen!“ für viele Bereiche des städtischen Handelns ein ganz maßgeblicher Imperativ ist. Er spielt für unsere Arbeit in Gelsenkirchen eine große Rolle, und das schon eine ganze Weile. Ein gutes Stück länger sogar, als es diesen griffigen Slogan gibt.
Kein Kind zurücklassen: Das ist ganz klar der Anspruch, das Berufsethos vieler engagierter Erzieherinnen und Erzieher, vieler Pädagogen und Sozialarbeiter in unseren Städten und Gemeinden. Dafür strengen sich zahllose Frauen und Männer an, nicht erst seit 2012. Aber zu oft mussten sie sich als Einzelkämpfer vorkommen, die eine Lebensphase eines Kindes gut begleiten – und sich dann fragen, wie es im nächsten Abschnitt der Bildungsbiografie weitergeht.
Bei uns in Gelsenkirchen ist es etwa zehn Jahre her, dass wir eine konsequente gesamtstädtische Strategie formuliert haben – aus dem so wichtigen Grundgedanken, dass jedes Kind – und zwar wirklich und ohne Ausnahme jedes Kind! – echte Bildungschancen und damit Lebenschancen erhalten soll. Wir haben Maßnahme um Maßnahme entwickelt, um junge Familien und kleine Kinder möglichst gut zu unterstützen. Wir haben bei knappen Mitteln sehr intensiv daran gearbeitet, diese Maßnahmen aufeinander zu beziehen, sie nicht allein stehen zu lassen, sondern als zusammenhängende Glieder in einer Kette zu betrachten.
Heute klingt dieser Ansatz sehr eingängig, in diesem Kreis muss ich Niemanden mehr davon überzeugen. Aber ich kann mich noch recht gut erinnern, dass das nicht immer so war. Als ich zum ersten Mal als Kandidat zur Oberbürgermeisterwahl antrat, wurde ich schon mehrfach gefragt, ob „Bildung“ denn wirklich ein gutes Thema sei. Ob ich nicht etwas Relevanteres hätte.
Inzwischen muss ich solche Fragen nicht mehr beantworten. Inzwischen müssen wir in den Kommunen uns nicht mehr als Einzelkämpfer fühlen, wenn es uns um gute Bildungschancen für alle geht, schon allein weil wir diesen Verbund haben. Und ich hoffe sehr, dass das all den engagierten Frauen und Männern in unseren Kitas, Familienzentren und den verschiedenen Stellen nicht anders geht. Das Bewusstsein dafür, wie wichtig die ersten Lebensjahre sind, ist inzwischen zum Glück weit verbreitet. Auch das Bewusstsein dafür, dass wir es uns nicht leisten dürfen, einen großen Anteil unserer Kinder vergeblich durch unser Bildungssystem laufen zu lassen, weil sie leider schon in der Grundschule den Anschluss verpasst haben.
Es gibt kaum ein Handlungsfeld, das wichtiger wäre für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft und unserer Städte als dieses. Und ich bin mir sicher, dass es Ihnen nicht anders geht als mir: Ich bin sehr froh, dass wir unsere Präventionsarbeit schon etabliert, dass wir diese Strukturen bereits geschaffen haben, ehe so viele Menschen ohne Deutschkenntnisse in so kurzer Zeit zu uns gekommen sind wie jetzt, in diesem Herbst. Wir stehen also vor einer doppelten Aufgabe: Die Kinder der Flüchtlinge gut in unser Fördersystem zu integrieren – und zugleich unsere Präventionsarbeit weiter zu verbessern. Und da werden wir heute sicherlich etliche Punkte zu besprechen haben – und darauf freue ich mich mit Ihnen!