29. September 2015, 11:01 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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Rede von Oberbürgermeister
Frank Baranowski
- Es gilt das gesprochene Wort –
GE. Ich heiße Sie ganz herzlich willkommen in Gelsenkirchen – in unserem Ratssaal hier im Hans-Sachs-Haus! In jenem Raum also, in dem üblicherweise die Gelsenkirchener Stadtverordneten sämtliche Fragen der Stadtpolitik beraten und die entsprechenden Entscheidungen treffen. Und da muss ich sagen: Es fügt sich einfach gut und es ist sehr erfreulich, dass jene politische Ebene, die in unsere lokale und regionale Politik immer wieder mit hineinspielt – dass die europäische Ebene nun auch einmal mit einem politischen Gremium hier in diesem Saal tagt!
Es ist schön, dass der Ausschuss der Regionen zu seiner auswärtigen Sitzung nach Gelsenkirchen gekommen ist. Wobei Sie, die Vertreterinnen und Vertreter der Regionen und Kommunen Europas im EU-Gefüge, ja zu einem Zeitpunkt in unsere Stadt kommen, da uns auf der kommunalen und regionalen Ebene alle ein gesamteuropäisches Thema beschäftigt. Die Bürgermeister unter Ihnen werden vermutlich ebenfalls gerade intensiv mit dem operativen Geschäft der Flüchtlingsaufnahme beschäftigt sein. Und uns Europäer treibt fast alle diese Frage um: Wie bekommen wir die Menschen gut untergebracht, die jetzt vor Menschenrechtsverletzungen und Krieg, vor Terror und wirtschaftlicher Ausweglosigkeit fliehen? Wie schaffen wir ihnen darüber hinaus künftig Perspektiven und Lebenschancen?
Das sind sehr drängende Fragen. Es sind aber Fragen, die sich ohne weiteres mit mittel- und langfristigen Themenstellungen verknüpfen lassen. Denn es ist ja ganz klar: Wir können den zu uns kommenden Menschen nur dann Perspektiven und Lebenschancen bieten, wenn wir auch den Menschen hier vor Ort richtig gute Lebenschancen erhalten. Nur dann bekommen wir jene Willkommenskultur, wie ein in Deutschland so häufig verwendetes Wort in diesen Tagen lautet.
Die Menschen - die Neuankommenden und die Alteingesessenen - in den verschiedenen europäischen Regionen haben ein gutes Recht darauf, dass wir uns für Sie und für eine gute und auch räumlich ausbalancierte Wirtschaftsentwicklung einsetzen. Sie haben ein Recht darauf, dass wir darauf achten, dass sich wirtschaftliches Wachstum nicht nur in wenigen Zentren und Ballungsgebieten abspielt, sondern auch in den kleinen Städten, Stadtregionen und Provinzen. Gerade wir im Ruhrgebiet wissen, wie wichtig es ist, nach einem Strukturbruch auch wieder Neuanfänge möglich zu machen. Dafür braucht es Strukturpolitik, und dafür braucht es auch die Bereitschaft, neue Perspektiven einzunehmen – und die Welt nicht nur von London, Paris und Berlin aus zu betrachten. Sondern dort, wo sich das Leben der meisten Menschen abspielt – und wo sich die wichtigsten Fragen an die Politik stellen. Der Ausschuss der Regionen ist darum heute ganz sicher am richtigen Platz – und ich wünsche Ihnen eine gute und erfolgreiche Sitzung!