27. April 2015, 13:22 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Diese Meldung ist vom 27. April 2015, 13:22 Uhr. Gegebenenfalls sind einzelne Inhalte oder der gesamte Artikel nicht mehr aktuell. Für aktuelle Meldungen der Stadt Gelsenkirchen klicken Sie bitte auf https://www.gelsenkirchen.de/aktuelles
GE. „Soll ich mein Kind mit zur Beerdigung nehmen?“ „Wie kann ich meinem Kind Trost geben, wenn ich mich selbst im Umgang mit dem Sterben so hilflos fühle?“ „Wie erzähle ich meinem Kind ehrlich, was nach dem Tod kommt? Stehen sich naturwissenschaftliche Erkenntnisse und religiöse bzw. kulturell geprägte Bilder entgegen?“
In der Städtischen Tageseinrichtung für Kinder Am Freistuhl fand vom 13. bis 30. April das Projekt „Kinder, Tod und Lebensfreude“ statt. Die Kulturpädagogin Birgit Mattern begleitete die 14 Vorschulkinder im Alter von 5 bis 6 Jahren und die Erzieher beim Erforschen von Leben und Tod.
Die Teilnehmenden befassten sich im Zeitraum fast 3 Wochen intensiv mit den Themen Tod und Trauer. Dabei standen die kindgerechte Vermittlung des Themas im Mittelpunkt und das Erlernen von Ritualen.
Während eines einführenden Informationsabends hatten auch die Eltern Gelegenheit sich ausgiebig über das geplante Projekt zu unterrichten. Unsicherheiten im Umgang mit Tod und Trauer und mögliche Bedenken konnten thematisiert und weitestgehend ausgeräumt werden.
Bei der Begehung des Friedhofes „Hassel-Oberfeldingen“ an einem sonnigen Frühjahrsmorgen lernten die Kinder in Begleitung von Andreas Mäsing, Geschäftsführer der Friedhofsgärtner Gelsenkirchen eG die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den christlichen und islamischen Beerdigungsriten kennen. Das führte erst einmal zu ganz praktischen Fragen: Wie tief ist denn so ein Grab? Was passiert mit den Toten unter der Erde?
Im weiteren Verlauf sahen die Kinder die Verfilmung des Buches „Leb wohl, lieber Dachs“ von Susan Varley. Die Geschichte des alten Dachses, der stirbt als für ihn die Zeit gekommen ist, berührte sie sehr und gab ihnen Gelegenheit über eigene Verluste zu reden und über die Bedeutung von Erinnerungen nachzudenken.
Zum Ende des Projekts wurde auf dem Kindergartengelände ein kleiner Erinnerungsgarten für Insekten,Vögel und Kleintiere angelegt und gestaltet. Es ist der Ort, wo die Kinder verstorbene Tiere begraben, sich erinnern, trauern und gegenseitig trösten können.
Nun laden die Vorschulkinder aus aktuellem Anlass zur Beerdigung des Maikäfers Friedrich ein, bei der auch der Streuselkuchen und das türkische Pendant Helva nicht fehlen dürfen. Der Termin findet statt am:
Donnerstag, 30. April 2015 ab 14 Uhr,
Städtische Tageseinrichtung für Kinder Am Freistuhl 4, 45896 Gelsenkirchen-Hassel.
Mögliche anfängliche Bedenken, ob Tod ein kindgerechtes Thema ist und die Angst vor den neugierigen Fragen der Kinder machten im Laufe des Projektes bei den beteiligten Erwachsenen einer größeren Selbstverständlichkeit und Gelassenheit im Umgang mit „Tod und Trauer“ Platz. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es mehr Anlässe und Projekte dieser Art braucht, um Kindern Raum für ihre existenziellen Fragen zu geben und die Erkenntnis, dass Traurigkeit und der Schmerz über Verluste zum alltäglichen Leben gehören.