die flora

„Russlanddeutsche - einst und jetzt“
Ausstellungsprojekt mit Vortrag, Film, Musik, Tanz, Lesung, Diskussion vom 30.08. - 02.10.2005

Zitate aus der Presseberichterstattung

Ruhr Nachrichten (Kultur), Samstag, 27. August 2005 (Autor: Jochen Müter):

Einzelne Schicksale zeigen das große Leid
Ausstellung: „Russlanddeutsche - einst und jetzt“ in der Gelsenkirchener die flora

Die Geschichte der „Russlanddeutschen“ ist die Geschichte einer Minderheit, die in einem fremden Land heimisch werden will. Zunächst wird sie gewollt, später verfolgt und deportiert. In der Ausstellung „Russlanddeutsche - einst und jetzt“ […] lässt sich ihr wechselhafter Weg vom 16. Jahrhundert bis heute nachvollziehen.

Für Projektleiterin Wiltrud Apfeld ein wichtiger Baustein in Sachen Integration. […] Viele Bürger seien angesichts der schwierigen Geschichte gegenüber den heutigen Rückkehrern mit Ressentiments beladen. Die Ausstellung böte die Chance, einen Zugang zu finden. […]

Anschaulich zeigt die Ausstellung einzelne Schicksale von Familien, die stellvertretend für das große Leid stehen. Parallel gibt es Erklärungen zu den recht komplizierten politischen Hintergründen. Und letztlich schlagen die Ausstellungsmacher einen Bogen in die Lebenswelt heutiger, meist jugendlicher Rückkehrer, die in einem Land Fuß fassen wollen, das ihre Vorfahren vor Generationen verlassen haben. Eine informative und übersichtliche Schau.


Buersche Zeitung (Buer und Gelsenkirchen), Samstag, 27. August 2005 (Autor: Bernd Aulich):

In Deutschland bleiben sie als „Russen“ Fremde
FLORA: Ausstellung entkräftet Vorurteile / 3800 Russen leben hier

In Russland waren sie als „Deutsche“ geächtet. In Deutschland gelten sie nach ihrer Emigration als „Russen“. 3800 Russlanddeutsche leben heute in Gelsenkirchen. Eine Ausstellung in der Flora entkräftet Vorurteile, denen sie hier begegnen.

Unter dem Titel „Russlanddeutsche - einst und jetzt“ rückt die vor zehn Jahren von der Landsmannschaft der Russlanddeutschen zusammengestellte Ausstellung die historischen Fakten gerade. […]

Das Vorurteil, dass sie [die Russlanddeutschen] ihren deutschen Landsleuten Arbeitsplätze streitig machen oder zu Unrecht Rente erhalten, widerlegt die Ausstellung überzeugend. Dezernent Dr. Manfred Beck […] lobt die Integrationsbereitschaft russlanddeutscher Jugendlicher.

[…] „Wir wollen hier keine Fremden bleiben“, betont Josef Schleicher als Vorsitzender der Landsmannschaft der Russlanddeutschen. Vor fünf Jahren wurde eine Ortsgruppe gegründet. Sie arbeitet eng mit den Kirchen zusammen.

In Gelsenkirchen erstaunlich gut Fuß gefasst haben die vier Russlanddeutschen, deren Lebenslauf die Historikerin Nicole Opatchi für die kleine Zusatzschau „Von Kasachstan nach Gelsenkirchen“ nachgezeichnet hat. […]


WAZ (Gelsenkirchen), Samstag, 27. August 2005 (Autor: Lars-Oliver Christoph):

„Wir wollen nicht fremd bleiben“
Stadt startet die Reihe „Russlanddeutsche - einst und jetzt“. Rund 3800 Spätaussiedler leben in Gelsenkirchen. Kaum Probleme mit Gewalt und Kriminalität

2001 - das Jahr, in dem die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland Kontakt zur Stadt aufnahm. (Spät-)Folge: die Reihe „Russlanddeutsche - einst und jetzt“.

Mit der Eröffnung der von der Landsmannschaft konzipierten Ausstellung „Volk auf dem Weg“ geben die Stadt und zahlreiche Kooperationspartner […] den Startschuss für diese ambitionierte Projektreihe über Spätaussiedler. […]

Rund 3800 Menschen sind in Gelsenkirchen der Gruppe der Spätaussiedler zuzuordnen. Die Integration funktioniere sehr gut, sagt Michael Salisch, Leiter des Referates Soziales. Was auch auf die Arbeit der Stadt zuruckzuführen sei, betont Peter Naujoks vom Jugendmigrationsdienst der GABS: „Die Kooperation mit der Stadt ist vorbildlich.“ […]


Auf ein Wort
Die Normalität

Berichte über kriminelle Jugendbanden, brutale Russen-Gangs oder die Knast-Mafia bestimmen in Deutschland die Berichterstattung und dadurch häufig auch die öffentliche Meinung über Spätaussiedler. Umso wichtiger ist es, ein Gegengewicht zu diesem Zerrbild zu schaffen und die Normalität dieser Menschen ins Blickfeld zu rücken. Die Veranstaltungsreihe der Stadt und ihrer Partner kann hier sicherlich einen sehr wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten und dabei helfen, Vorurteile abzubauen. […]


TAZ (NRW), Montag, 29. August 2005 (Autor: Sebastian Korinth):

Vielfalt der Kulturlandschaft
Eine kommunale Ausstellung dokumentiert das Leben der Migranten und zeigt konkrete Fälle gelungener Integration. „Probleme“ hat die Stadt Gelsenkirchen mit Russlanddeutschen kaum

[…] In Gelsenkirchen wird zurzeit die Geschichte Russlanddeutscher seit der Herrschaft Katharinas II. (1762-1796) in einer Ausstellung aufgearbeitet. Fotos und Texte der Zusatzausstellung „Von Kasachstan nach Gelsenkirchen“ zeigen den Besuchern auch lokale Beispiele einer gelungenen Integration.

Richtig Leben eingehaucht wird der Ausstellung „Russlanddeutsche - einst und jetzt“ erst durch das umfangreiche Rahmenprogramm. […]

Die Wanderausstellung wurde in über zehn Jahren rund 300 Mal gezeigt. „Sie soll einen kleinen Beitrag dazu liefern, die Vielfalt der Kulturlandschaft Gelsenkirchens und des Ruhrgebiets darzustellen“, sagt Manfred Beck, Kulturdezernent der Stadt […]. „Schon viele unserer Ausstellungen in der flora haben sich mit dem Thema Migration beschäftigt“, sagt Wiltrud Apfeld, die Projektleiterin […]. Vor allem aber sollen Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut werden. „Die Erfahrung zeigt, man darf nicht in einem Land leben und Fremder bleiben“, sagt Josef Schleicher von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland.

Gerade in Gelsenkirchen scheint dieses ehrgeizige Vorhaben gut zu funktionieren. Probleme mit den rund 3.800 Russlanddeutschen gibt es dort kaum. […]


WAZ (Gelsenkirchen), Mittwoch, 31. August 2005 (Autor: loc):

Ein Stückerl Heimat in der Flora
Ausstellung über Aussiedler eröffnet

1995 hat die Stadt die Flora eröffnet. Doch eine Veranstaltung wie die Eröffnung der Reihe „Russlanddeutsche - einst und jetzt“ hat der städtische Kulturraum in zehn Jahren bisher wohl noch nicht gesehen.

„Mal was anderes“ - wo brachte ein Besucher das volkstümlich geprägte Programm auf den Punkt. Melancholische Weisen gaben der Gelsenklang-Chor und Katja Mironov zum Besten, die mit Inbrunst die Wolga, Westfalen und „ein Stückerl Heimat“ besangen. Für eine ganz andere Klangfarbe sorgte die junge Gelsenkirchener Band „Enzfalit“, die klassische Rocksongs mit russischen Texten über Südwind und Jugendliche auf Dächern in die Kolonne haute. […]

Die Sprache als Schlüssel zur Integration beschwor Hans-Peter Kemper, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen. Die Integrationsleistungen der meisten Russlanddeutschen in dieser Stadt würdigte Oberbürgermeister Frank Baranowski. Und Jakob Fischer von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. informierte mit schätzungsweise sieben Gedankengängen pro Satz über die von seinem Verein gestaltete Ausstellung. Zum Ausklang des Abends wurde in der Flora gemeinsam gesungen und gegessen. […]


Stadtspiegel Gelsenkirchen, Mittwoch, 21. September 2005 (Autor: capa):

Russisch-Deutsche Kultur erleben

[…] Von den Anfängen der ersten deutschen Enklaven in Russland bis hin zu einzelnen Biographien wird ein wichtiges Stück Zeitgeschichte dokumentiert. […]

Zu der ausführlichen geschichtlichen Darstellung in Wort und Bild wird die Ausstellung durch Biographien Gelsenkirchener Russlanddeutscher ergänzt. Diese geben einen persönlichen Eindruck von den Einzelschicksalen. Es wird deutlich, welche drastischen Einflüsse politische Entwicklungen auf individuelle Existenzen haben können. Dem Besucher der Ausstellung wird verständlich gemacht, wie es nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer massenhaften Auswanderung von Russlanddeutschen in die BRD kam. […]

 

WAZ (Gelsenkirchen), Donnerstag, 29. September 2005 (Autor: Lars-Oliver Christoph):

TAGESTHEMA „Typisch deutsch!?“
Fünf junge Migranten berichen in der „Flora“ über ihre Erfahrungen und Erlebnisse beim Leben zwischen verschiedenen Kulturen

„Die Welt gehört mir“

„Typisch deutsch!?“ Die jungen Migranten, die bei der gleichnamigen „Flora“-Diskussion auf dem Podium saßen, konnten sich nicht darauf einigen, was das eigentlich sein soll. Einblicke in ihre Lebensläufe konnten die vier Russlanddeutschen und eine Gelsenkirchenerin mit türkischen Wurzeln den Zuhörern aber sehr wohl vermitteln - und gaben dadurch indirekt doch die Antwort: „Typisch deutsch“, das gibt es nicht.

„Diese Menschen verdienen nicht nur unser Interesse, sondern auch unseren Respekt.“ So stellte Moderator Peter Naujoks vom Jugendmigrationsdienst (JMD) der Kaue das Quintett auf dem Podium vor, das durch die zurzeit in Deutschland weilende junge französische Wissenschaftlerin Amandine Bernier verstärkt wurde.

Zum Beispiel: Konstantin Cerepanov. Der 26-Jährige Russlanddeutsche schilderte, wie er innerhalb von drei Jahren in Gelsenkirchen Fuß fasste. […]

Victor Hahn (33) wies darauf hin, dass es Russlanddeutschen bei der Integration häufig schwer gemacht werde. „Russen will ich nicht“ - dieser Satz falle häufig bei der Wohnungssuche. […]

So etwas wie ein Schlusswort […] fand die türkischstämmige Sevdar Varlik: „Eine Heimat? Brauche ich nicht. Die Welt gehört mir. Ich fühle mich in Gelsenkirchen wohl und vermittle das auch meinen Kindern.“

 

Modern Talking und Lion Feuchtwanger
Fünf Biographien: Roman Dell, Sevdar Varlik, Konstantin Cerepanov, Victor Hahn, Roland Sperling

In zwei Welten sei er in Russland aufgewachsen, sagt Roman Dell (26) - seine Mutter ist halb Russion und halb Ukrainerin, der Vater Deutscher. […] In der Schule sei er als Deutscher „ein Exot“ gewesen. […] Schon in Russland habe er sich über die Heimat informiert - vor allem über historische Bücher und Romane u.a. von Lion Feuchtwanger. Und deutsche Pop-Musik habe er in Russland gehört - „von Dieter Bohlen und Modern Talking - das fanden damals in Russland alle gut“, so Dell. […]

Ihre Eltern sind Türken, sie ist in Deutschland geboren und in Gelsenkirchen aufgewachsen: Sevdar Varlik (28). Im Kindergarten habe sie die ersten zweieinhalb Tage nur geweint, weil sie nichts verstanden habe, erinnert sie sich. […] In der Schule habe sie sich geschworen, dass sie ihren Kindern das nicht antun wolle. Geschworen. getan […],

Erst seit drei Jahren lebt Konstantin Cerepanov (26) in Deutschland. Erst „auf den letzten Drücker“ hätten er und seine Familie sich entschieden, Russland zu verlassen. […] „Ich habe mich eigentlich als Russe gefühlt“, sagt er. […] Nach Gelsenkirchen sei er gekommen, weil viele Verwandte hier lebten. Seine Erwartungen seien 2002 eher negativ gewesen: „Ich dachte, ich komme in verwüstete Industrielandschaften. Vorgefunden habe ich ein wunderschönes Land.“ […]

1994 zog es Victor Hahn von Kasachstan nach Deutschland. […] Mit 15 habe er in Kasachstan versucht, seine Identität als Deutscher zu finden. Seine Familie habe immer die Wurzeln gepflegt und beispielsweise regelmäßig Ostern und Weihnachten gefeiert. „Das Deutsche war bei uns immer präsent.“ […]

Das Bild eines „alten“ Deutschlands der 20er Jahre habe er im Kopf gehabt, als er 1991 mit seiner Familie den Lebensmittelpunkt von Russland nach Deutschland verlegt habe, erzählt Roland Sperling (29). „Das war für mich ein großer Umbruch. Die Mentalität und die Einstellung sind ganz anders.“ […] Eines gelte laut Sperling für alle Russlanddeutschen: „Sie haben den festen Willen, sich zu integrieren“ […].

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