„Ecclesia und Synagoga -
Das Judentum in der christlichen Kunst“
Ausstellung mit Begleitprogramm
Gelsenkirchen, Kulturraum „die flora“, 27. Februar bis 1. April 2007
Zusätzliche Erläuterungen
Das Thema


Das Verhältnis von Christen und Juden ist geprägt durch eine lange Geschichte der Diffamierung und Entrechtung, der Ausgrenzung und Verfolgung, die sich auch in der antijüdischen Sprach- und Bildsymbolik dokumentiert und zu den Voraussetzungen des nationalsozialistischen Genozids an den Juden gehört. Das Judentum bleibt in kirchlicher Liturgie, Theologie und Kunst präsent, denn alle Versuche in der Christenheit, die jüdische Wurzel auszureißen, scheiterten an der historischen und theologischen Gewissheit, dass der christliche Glaube ohne das Judentum nicht existent wäre und bliebe. Christliches Selbstverständnis ist unaufgebbar an die theologische Anerkennung des Judentums gebunden.
[1. Bild links: Maria und Ecclesia, Synagoga und Johannes unter dem Kreuz (Elfenbeintafel aus Köln, um 1050 /
Darmstadt, Hessisches Landesmuseum) - 2. Bild links: Die verstoßene Synagoga (Elfenbeintafel aus Unteritalien, 11. Jh. / Staatliche Museen, Preuß. Kulturbesitz, Berlin-Dahlem)]
Innerhalb der christlichen Kunst stellt sich das Verhältnis von Christen und Juden in einer Vielzahl von Motiven dar. Besonders häufig treten die beiden allegorischen Frauenfiguren „Ecclesia und Synagoga“ auf, die in zahllosen Zeugnissen weite und andauernde Verbreitung gefunden haben. Denn in diesem Motiv kommt nicht nur das alttestamentliche Israel, sondern das jeweils zeitgenössische Judentum zur Darstellung.

Schon vereinzelt ab dem 4. Jahrhundert in der Literatur, dann seit der Mitte des 9. Jahrhunderts in der Darstellenden Kunst repräsentieren „Ecclesia und Synagoga“ Christentum und Judentum. Im Konzept der göttlichen Heilsgeschichte sind beide Repräsentationsfiguren zunächst gleich bedeutend, gleichwertig. Doch zunehmend spiegeln sie in Gestalt, Gestik, Zuordnung und den ihnen beigegebenen Attributen die jeweiligen zeitgenössischen Verhältnisse zwischen Juden und Christen wie auch die theologischen Auseinandersetzungen der Zeit. So zeigen zahlreiche Beispiele aus der Zeit der Kreuzzüge die nun ganz offen ausbrechende Feindschaft gegen die Juden, in denen die Synagoga den „Mördern Christi“ gleichgesetzt wird. Theologische Konturen verlieren sich zunehmend und machen psychologischen und moralischen Kategorien Platz. Der Enttheologisierung folgt die moralisch diffamierende Entmenschlichung zum gesellschaftlichen Negativ-Symbol schlechthin.
[Bilder rechts: Ecclesia und Synagoga (Außentafeln eines Altarretabels, Meister der Ursula-Legende, vor 1482 / Brügge, Groeningemuseum)]
Die Ausstellung
Als die Evangelische Kirche im Rheinland 1980 den mutigen und zukunftsweisenden Synodalbeschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Juden und Christen“ fasste, entstand die Idee zu dieser Foto-Ausstellung. Die ca. 50 Abbildungen mit Beispielen der sakralen Kleinkunst Europas wie auch der kirchlichen Monumentalplastik sind thematisch gruppiert und historisch geordnet. Exakte Bildbeschreibungen geben eindrucksvolle Einblicke in das Selbstverständnis der christlichen Theologie und Weltanschauung. Sie machen zugleich deutlich, wie in einer weitgehend leseunkundigen mittelalterlichen Gesellschaft theologische und politische Botschaften vermittelt wurden. Damit stimmen sie auch nachdenklich über die Frage, wie unsere heutige medial bestimmte Gesellschaft mit Bildsymbolen, Bildsprache und tradierten Reflexionsmustern umgeht.
Die Ausstellung beruht auf der jahrelangen Detailarbeit von Prof. Herbert Jochum, Kirchenhistoriker aus Saarbrücken und Mitglied des Vorstandes der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes e. V.
[Bild rechts: Lebendes Kreuz (Tafelmalerei, Öl auf Holz, 2. Hälfte 16. Jh./Privatbesitz]
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Bild oben rechts: „Geblendete Synagoga“ - Passionsfenster der Kathedrale von Chartres, frühes 13. Jh. Nachzeichnung von Cahier-Martin
Redaktion: Referat Kultur, 05.03.2007 - Änderungen vorbehalten
Im Übrigen gilt das Impressum von www.gelsenkirchen.de
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