Das Jahr 1887 hatte es in sich: Gottlieb Daimler baut seinen ersten Kraftwagen mit Benzinmotor und eine Fabrik, in Paris strebt der Eifelturm in die Höhe, der Brite Augustus D. Waller entdeckt die Herzaktionsströme. Und im aufstrebenden Industriegebiet an der Ruhr strömt das Leitungswasser künftig durch das Rohrnetz der Aktiengesellschaft „Wasserwerk für das nördliche westfälischen Kohlenrevier“, die am 28. Januar gegründet wird und in Castrop ihren Firmensitz nimmt. Es war der Vorläufer der heutigen Gelsenwasser AG, die auf den Tag genau 125 Jahre später im Gelsenkirchener Musiktheater mit über 500 geladenen Gästen ihren Geburtstag feierte. Ein Festakt mit der ganzen Familie, wie der vor wenigen Wochen ins Amt gekommene Vorstandsvorsitzende Henning Deters feststellte.
Ungewöhnlich und spannend wie die Gründungsphase der Gesellschaft verlief auch die Geburtstagsfeier des gesunden Gelsenkirchener Energieunternehmens. Ungewöhnlich, weil die bei derartigen Firmenfeten üblichen zähen Reden und langatmigen Ritualen fehlten. Und spannend, weil Aktenzeichen XY-Moderator und Ex-Eiskunstlaufstar Rudi Cerne Entstehung und Wandel des Unternehmens in einer flotten Show bunter Programmpunkte präsentierte. In einem Bühnenbild mit Blickfang: Eine hellbraune Küche aus dem Gelsenkirchener Barock, wie sie zur Gründungszeit des Unternehmens bei Bergleuten, Stahlarbeitern und Wasserwerkern durchaus üblich war.
Wie damals so auch diesmal diente Mutters Küchentisch als Kommunikationszentrum für Familiengespräche. Drei Stadtoberhäupter (Frank Baranowski, GE, Wolfgang Pantförder, RE, und Horst Schierek, Herne), die Historikerin Beate Olmer, Gelsenwasserchef Henning Deters und die mit deutlichem Beifall begrüßte NRW-Landesmutter Hannelore Kraft nahmen an ihm Platz, plauderten über das wichtigste aller Lebensmittel, über die Bedeutung des Gas-, Strom- und Wasserlieferanten für die Region und darüber, wie aus dem ursprünglich regionalen Wasserversorger im Laufe der Zeit eines der größten Trinkwasserversorgungsunternehmen Deutschlands mit einer über 1000-köpfigen Belegschaft und einem zuletzt rund 590 Millionen Euro Jahresumsatz wurde.
„Gelsenwasser - das ist ein gutes Unternehmen in der Stadt, ein guter Arbeitgeber, auch eine architektonische Landmarke, rundum ein Unternehmen, das Freude macht“, lobte Oberbürgermeister Frank Baranowski die Vorzüge des Energieversorgers für Gelsenkirchen. Hohes Lob kam auch von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die die starke Verankerung des Unternehmens in der Region hervorhob. Kraft, wie der Herner Cerne bekennende Ruhrgebietsromantikerin, sieht den Strukturwandel auf gutem Weg und macht sich im übrigen um das Ruhrgebiet keine Sorgen: „Die Region hat eine einmalige Stärke.“ Und alle hoffen mit der SPD-Politikerin, dass Gelsenwasser in dieser Region verankert bleibt, vor allem die 60 Bürgermeister unter den Gästen, die neben den rund 70 Parlamentariern, dem NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) sowie dem Münsteraner Regierungspräsidenten Prof. Dr. Reinhard Klenke (CDU) Rudi Cernes unterhaltsamer Gesprächsrunde aufmerksam verfolgten.
Zwischendurch flimmerte wie Pausenfüller die Gelsenwasserstory in Filmsequenzen von der Bühnenleinwand, eine Zeitreise durch die krisengeschüttelte Entstehungs- und Erfolgsgeschichte, mit „Familienmitgliedern“ als Zeitzeugen und mit historischem Zelluloidmaterial. Auch musikalisch überzeugte die Show, mit der Gelsenkirchener Wolfgang-Wilger-Band und dem Gesangsquintett „Gimme Five“, das u. a. mit einem Wasser- Medley begeisterte und daran erinnerte, dass bei Gelsenwasser auch nach 125 Jahren alles im Fluss ist: Gas, Strom und natürlich Wasser.